Ich habe mich in Bezug auf meine Histamin-Unverträglichkeit oft gefragt, warum ich nicht essen kann wie alle anderen. Keine Gedanken machen und kein Zwicken im Bauch, das wünschte ich mir so oft. Mit einer befreundeten Betroffenen sprach ich über diese Frage. Sie sagte, Sabrina, wir spüren es einfach früher, wenn wir das Falsche essen und können früher gegensteuern, das ist doch gut. Mit dieser positiven Einstellung formulierte ich mein Denken um: Mein Körper ist nicht krank, wenn er Industriefutter nicht verdauen kann. Der Fehler liegt in diesem Fall nicht beim Körper, sondern in meiner Ernährung. Das Schöne ist, wir haben in unseren Breitengraden die Möglichkeit, die Ernährung auf Clean Eating umzustellen und müssen nicht so weitermachen, wie wir es unter Umständen in unserer Kindheit gewohnt waren.

Es ist ein Zeugnis großer Intelligenz, wenn der Körper mit Bauchgrummeln auf Mischmasch aus der Industrie antwortet. Ich finde das heute wunderbar: Der Körper weiß ganz genau, was gut ist. Nur dürfen wir dieses Instrument nicht umstimmen, indem wir es mit zu viel Gluten, Glutamat, Haushaltszucker oder E-Zusatzstoffen in die Irre führen. Bei Unverträglichkeiten ist sogar die Kombination Nuss und Frucht ein Irrläufer, vor allem wenn die Nüsse nicht eingeweicht wurden und die Phytinsäure rausgespült.

Damit ein Körper verlässlich anzeigt, was ihm wirklich gut tut, ist die Voraussetzung: ein entgifteter Körper. Ich habe das durch jahrelanges Clean Eating und hauptsächlich pflanzlich vollwertiger Kost geschafft. Zwischendurch gab mir eine kürzere Phase mit hippokratischer Rohkost einen wichtigen Schub in Richtung Verträglichkeit. Ich konnte danach vorsichtig austesten und vertrage mittlerweile sogar wieder Tomaten und Rotwein.

Unsere kindlichen Prägungen spielen eine große Rolle bei der Wahl unserer Nahrungsmittel. Bestimmtes Futter sucht man sich aus bestimmten Gründen aus, das soziale Umfeld bestimmt mit. Die Informationen zwischen Verdauungstrakt, Gehirn und Emotionen sind wechselwirkend. Auch die Gespräche am Tisch können einem entsprechend auf den Magen schlagen oder kulinarischen Genuss stimulieren. Gute Gespräche sind Teil von Esskultur.

Nudeln sind für mich ein Grenzfall bei der Frage: Was zählt noch zur Industrienahrung, was ist clean? Wer clean isst, kauft an Obst- und Gemüsetheke ein. Doch manchmal braucht es auch andere Kohlenhydrate als Kartoffeln oder Bananen. Und Nudeln sind einfach Lieblingsessen von Jedermann. Das Problem ist nicht das industriell weiterverarbeitete Korn, meistens bestehen die Nudeln ja nur aus Weizenmehl. Das Problem ist die Genmanipulation des Korns, konventioneller Weizen ist immer manipuliert und auf Glutengehalt getrimmt. Konventionell gilt, je mehr Klebereiweiß, desto bissfester die Nudel. Ein Lösungsansatz für weniger Gluten: Der biologische Weizen ist ursprünglicher. Ich gehe, so oft es mir möglich ist, auf Nummer sicher, und wähle die älteren Sorten Kamut, Emmer oder Dinkel. Man kann sie als ganzes Korn wie Reis kochen oder vertrauensvoll die industriell verarbeitete Bio-Vollkorn-Nudel wählen. Sorten die schmecken, obwohl auch volles Korn darunter ist: Emmer-Spirelli von Rapunzel, Penne Rigate No. 45 von Alnatura, alle Sorten von Gustoni. Wer sich an die Bio-Ware herantraut, bemerkt schnell, dass die alte Regel, je mehr Gluten, desto bissfester, absoluter Humbug ist.