Wer fastet, hält bestimmte Nahrungsmittel von sich fern und gestaltet sich seinen eigenen Raum. Der Raum enthält das individuell Notwendige.

In meinem Fastenraum steht ein Pflanzregal mit Keimgläsern für Alfalfa sowie Pflanzschalen mit Sonnenblumensprossen und Gerstengras, ein Hochbeet mit Blattsalaten und Pflanztöpfe mit Kräutern, verschiedene Vorratsgläser mit Kräutertee, Erdmandeln und geschälten Hanfsamen, ein Vorrat an Stangensellerie, Gurken, Möhren, Süßkartoffeln, Kurkuma und Kokosflocken sowie Äpfel, Orangen, Zitronen. Die Zutaten verarbeite ich in bestimmten Gruppierungen mit Hilfe von Hochleistungsmixer, Küchensieb und Quellwasser zu Säften, Pflanzenmilch und Tee. Alle meine Fasten-Getränke nähren den Körper ohne Balaststoffe. Fasten ist also Gestaltung, Formfindung — grundlegende Aspekte einer Kultur. 

Blattgrün, Gemüse und Früchte schicken Licht durch Körper und Geist. Kräutertee wärmt. Erdmandel-Hanf-Milch sättigt, Möhren-Süßkartoffel-Kurkuma-Kokos-Saft macht wach.

So faste ich tageweise, manchmal auch ein bis zwei Wochen. Zur Entlastung der Verdauung. Je länger man fastet, desto vorsichtiger sollte man diese Zeit beenden. Am besten funktioniert das bei mir mit Früchten.

Ganz basisch macht diese Art des Fastens nicht. Wurzeln, Saaten, Nüsse und Fette wirken säuernd. Das erfuhr ich durch eine Entgiftungs-Diät, bei der möglichst viel grünes Blattgemüse, Wildkräuter und Obst gegessen werden — was überhalb der Erdoberfläche wächst. Das ist basisch. Wohl auch die Basis für die Pflanzen zum Weiterwachsen.

Seitdem mein Körper zum ersten Mal erfahren hat, wie sich richtig basisch anfühlt, zeigt er es verlässlich und früh an, schlage ich wieder einmal über die Strenge.

In meinem Fastenraum kann ich sein, wie ich bin. Dort lerne ich, meinem Körper zu lauschen. Sich dem Sein zu widmen ist ein Aspekt von Religion. Sich dem Sein zu widmen macht einem klar, was überflüssig ist. Verzicht kann glücklich machen, denn Verzicht bedeutet auch, negative Gedanken sein zu lassen und sich genügsam auf das kleine Glück zu konzentrieren.